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Auf der Suche nach Lösungen für ein Alt-Werden-Können in der Heimatregion

Auf der Suche nach Lösungen für ein Alt-Werden-Können in der Heimatregion

Wird der Wirt (wieder) zum Nahversorger? Wollen die Senioren von morgen überhaupt beim Greißler kaufen – oder lieber ins Shoppingcenter? Wie weit können – oder müssen – Internet und regionale Netzwerke die Familie und Sozialkontakte ersetzen? Was ist nötig, um der Bevölkerung im Schneebergland ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen – im Ort alt werden zu können, wenn geht sogar im eigenen Haus? Im Rahmen einer Fachkonferenz des EU-Projektes Active Ageing des Regionalverbandes Industrieviertel-Projektmanagement am 4. November 2013 in Pernitz wurde mit Hilfe von ExpertInnen und Betroffenen aus der Bevölkerung Antworten gesucht.

Ob das Schneebergland für Ältere auch in Zukunft lebenswert ist, dieser Frage ging die Universität Wien im Rahmen des Projektes Active Ageing durch eine Bevölkerungsbefragung nach. Mag. Elisabeth Gruber: „Es herrscht eine starke Bindung der Bevölkerung an die Region beziehungsweise Gemeinde. Ein großer Wunsch besteht nach Alterung vor Ort, auch im eigenen Haus.“ Die Akzeptanz für betreutes Wohnen sei zwar groß, aber gelte eher als „letzter Ausweg“.

„Hilfe im Alltag kann nicht mehr durch eigene Familie abgedeckt werden“

Unterstützung im Alter durch die Familie werde zunehmend seltener und zur Frage von Zeit und Geld, so Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal: „Für Hilfstätigkeiten, die früher durch die Familie abgedeckt wurden, wird man in Zukunft etwas Geld in die Hand nehmen, oder dies durch kleinere Projekte oder Ähnliches abdecken müssen.“ Im Rahmen eines Workshops am Nachmittag wurde zu diesem Thema eine Initiative des Projektes Active Ageing vorgestellt und diskutiert, die eine Nachbarschaftshilfe für einfache Handgriffe wie das Wechseln von Glühbirnen, ein Bild aufhängen, oder Unterstützung beim Auf- und Abnehmen von Vorhängen…, aufbaut.

Greißler: noch aktuelles Konsumkonzept – und leistbar?

Die Mobilität, die Möglichkeit auf öffentliche Verkehrsmittel, sowie die Versorgung mit den nötigsten Gütern und Dienstleistungen, ist in ländlichen Regionen entscheidend für den Verbleib. Das Thema Nahversorgung sorgte für viel Diskussion: der fahrende „Andi-Bäck“, Andreas Hoffellner, berichtete über sein Konzept, durch welches er mit seiner Firma Waidmannsfeld rund 300 KundInnen betreut, die per SMS ihre Bestellungen aufgeben – im gesamten Piestingtal. Sind kleine Greißler und fahrende Dienstleistungsanbieter das Modell der Zukunft für ländliche Regionen? „Wer weiß, vielleicht wird der Wirt wieder zum Greißler?“ warf DI Andreas Weiß ein: „aber: wollen die Senioren das?“ „Oder fahren sie nicht lieber selbst ins Shoppingcenter um dort nicht nur eine größere Auswahl, sondern auch billigere Preise zu haben?“, warf Univ.-Prof. Mazal ein.

Modelle für die Nutzbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel dringend nötig

Seitens des Landes Niederösterreich versucht man hier mit der Stärkung des öffentlichen Verkehrsangebotes anzusetzen, wie DI Sandra Hiller erklärte: „In peripheren Regionen gibt es abseits des Schülerverkehrs meist kaum öffentliche Verbindungen. Carsharing-Modelle, Gemeindebusse, Anrufsammeltaxis sind weitere Möglichkeiten zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, die am Nachmittag diskutiert wurden, ebenso wie ein nötiger barrierefreier Zustieg.

Weitere Informationen: Mag. Dr. Ingeborg Derkits (Regionalverband Industrieviertel-Projektmanagement), T: +43 676 81220339, E: i.derkits@industrieviertel.at

Die Präsentationen des Tages stehen für Sie als PDF unten zum Download bereit, die zum Thema Nahversorgung unter diesem Link.

Das Projekt Active Ageing wird im Rahmen des Programms zur grenzüberschreitenden Kooperation Österreich – Ungarn 2007 – 2013 durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, das Seniorenreferat des Amtes der NÖ Landesregierung und Ungarn gefördert.

Foto (v.l.): Helmut Keipert (Seniorenbund Markt Piesting-Dreistetten), Maria Rigler (Seniorenreferat, Amt der NÖ Landesregierung), Dr. Erich Prandler (Wirtschaftskammer NÖ, Leiter Bezirksstelle Wiener Neustadt), Dr. Ingeborg Derkits (Regionalverband Industrieviertel-Projektmanagement), DI Andreas Weiß (Regionalmanager Industrieviertel), Gertrude Brandstetter (Seniorenbund Pernitz-Muggendorf), LAbg. Franz Rennhofer (Obmann Regionalverband Industrieviertel-Projektmanagement), DI Martina Sanz (Kleinregionsmanagerin Schneebergland), Hubert Postiasi (Bürgermeister Pernitz), Franz Gratzler (Pensionistenobmann Hohe Wand).

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