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Schlossgespräche Hernstein: „Einkaufserlebnis oder Shoppingstress“

Schlossgespräche Hernstein: „Einkaufserlebnis oder Shoppingstress“

Ein mehr als vollbesetzter Saal im Schloss Hernstein bewies, welchen Stellenwert das Thema Einkaufen für viele von uns hat. Drei von vier Österreichern, so Studien, gehen durchaus gerne einkaufen und knapp die Hälfte tun das am Liebsten in Einkaufszentren oder Outlet-Centern. Auf der anderen Seite stehen die Kaufleute, die mit einer immer größer werdenden Vielfalt von Ideen und Konzepten Kundenwünsche zu erfüllen versuchen.

Einen völlig neuen Weg schlägt hier Christian Blazek (Schloss Wartholz) ein. Das von ihm übernommene ehemalige LeoVille soll Anfang nächsten Jahres als Bloomfield neu erblühen. Dabei verzichtet er auf alles „Mega“ und will uns vielmehr mit einem Paradies der Blicke überraschen. Einer Vielzahl von wohlfeil zusammengestellten Angeboten, die sich deutlich vom üblichen Speckgürtel-Mix abheben werden, stehen attraktive Verweilmöglichkeiten für alle Altersgruppen gegenüber. Eingebettet wird dies alles in eine Grünoase und 3 Meter breite Stellplätze sind nur der Vorbote für ein konsequent kundenorientiertes Einkaufen, das in Zukunft sicher mehr und mehr Menschen begeistern wird.
Für Richard Lugner stellt sich die Sache ganz anders dar. Im Mittelpunkt seiner Strategie steht Medienpräsenz. Demgemäß sind für die Lugner City jene Zugpferde des Handels wichtig, die die Reklameblöcke von Radio und Fernsehen dominieren. Da lockt der gewiefte Baumeister seine Hauptmieter schon mal mit unschlagbar günstigen Preisen. Mit einem beachtlichen Werbebudget sowie mit der Inszenierung seiner eigenen Person konstruiert Lugner eine mediale Realität, die jedenfalls in der Zielgruppe der Lugner City perfekt zu wirken scheint.Weit weniger zimperlich geht er mit seinen Mietern um. Ihnen verordnet er erweiterte Öffnungszeiten und organisiert regelmäßig gemeinsame Rabattaktionen wie z.B. mit den Gastronomen der Lugner City (-50% auf alles!). „Wer da nicht mitspielt, kriegt eins drauf!“, beteuert der eloquente Hausherr glaubwürdig.
Durch dieses Spannungsfeld navigierte souverän die u.a. auf Gewerbeobjekte spezialisierte Architektin DI Daniela Walten. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete sie 2004 das mittlerweile renommierte Wiener Architekturbüro BWM, mit dem sie bereits auf einige erfolgreiche Projekte in Handel, Gewerbe und Hotellerie verweisen kann. „Gute Architektur ist nicht nur schön, sie muss auch funktionieren!“, hob Walten die kommerzielle Leistungsfähigkeit von Einkaufsobjekten hervor. Beides optimal zu verbinden hat das Architekten-Team von BWM beispielsweise mit dem 6th Floor im Kaufhaus Steffl oder dem Footsteps und den Forever21 Stores oder nicht zuletzt mit den Manner Stores & Cafes in Wien, Salzburg und am Flughafen Wien-Schwechat bewiesen.
Das Resümee der von Johannes Zeitelberger gewohnt schlagfertig moderierten Gesprächsrunde liegt in der Gewissheit, dass künftig ein gutes Warenangebot und kompetente Beratung nicht mehr ausreichen, um im Einzelhandel erfolgreich zu bestehen. Denn selbst die beste Lage ist kein Garant für reißenden Absatz, wie das viel zitierte Beispiel des Haas-Hauses am Wiener Stephansplatz bewies. Zusätzliche Attraktoren sind erforderlich, die je nach Zielgruppe entweder klare Preisvorteile für Verbraucher hervor streichen oder aber in Wertangeboten liegen, die Sinn stiftend ein anspruchsvolles Klientel langfristig an sich zu binden vermag.

Diese Veranstaltung wurde im Rahmen des EU-Projektes REGIONET aktív vom Regionalen Entwicklungsverband Industrieviertel-Projektmanagement gemeinsam mit dem Wirtschaftsforum Triestingtal organisiert.

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